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Portfolio und Schule
Schule, lebenslanges Lernen und das Portfolio Medienkompetenz

Die Fragen nach dem Sinn und Zweck des Portfolios klären sich zum großen Teil von selbst sobald das Portfolio in die Hand genommen wird. Dieses Portfolio dient dazu, die Lernbiographie von Schülerinnen und Schülern zu dokumentieren. Hier können Jugendliche festhalten, was sie mit Medien und was sie über Medien gelernt haben.

Von Portfolio in diesem Sinne sprechen auch Maler und Grafiker, wenn sie ihre Werke in einer Mappe - dem Portfolio also - sammeln. Wer in dieser Mappe blättert, erhält einen Überblick über das Können des Künstlers. Die Künstlerin, der Künstler kann anderen mit dieser Mappe schnell einen Eindruck von seinen Leistungen vermitteln.

In der Weiterbildung ist das Portfolio-Konzept verbreiteter als in der Schule. Aber auch hier beginnt man - nicht nur in der Medienbildung - mit diesem Konzept zu arbeiten. Dies ist kein Zufall, sondern hängt eng mit der Diskussion über die Wissensgesellschaft zusammen.

Bei allen Kontroversen um den Begriff "Wissensgesellschaft" hat diese Diskussion die Aufmerksamkeit auf die - unbestrittene - Notwendigkeit des lebenslangen Lernens gelenkt. Lebenslanges Lernen ist eine Schlüsselgröße für die Bewältigung der Herausforderungen, die sich für Wirtschaft wie Privatleben im Übergang zur Wissensgesellschaft stellen. Das lebenslange Lernen wird nicht in den traditionellen Institutionen stattfinden - sonst würde es vielleicht auch schnell zum lebenslänglichen Lernen - sondern es wird sich eine neue räumliche, zeitliche, soziale, didaktische und mediale Vielfalt entwickeln, eine Ent-Grenzung von Lernen stattfinden. Die Fähigkeit zu diesem lebensbegleitenden Lernen muss gelernt und trainiert werden. In den Empfehlungen "Forum Bildung" zum Thema "Lernen - ein Leben lang" finden sich dazu folgende Aussagen:

Motivation zum Lernen, Lernen des Lernens (Lernkompetenz) und die Kompetenz, Lernen selbst zu steuern sind entscheidende Voraussetzungen für lebenslanges Lernen. Sie müssen möglichst früh vermittelt werden. Schule und Berufsausbildung müssen noch stärker für kontinuierliches Lernen motivieren und befähigen. (Vorläufige Empfehlungen des Forum Bildung:, Bonn 5. Juni 2001, S. 2)

Mit anderen Worten heißt dies: Der allgemeinbildenden Schule kommt eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung dieser Lernkompetenz zu.

Ein Portfolio als Protokoll der eigenen Lernbiographie ist ein solcher Schritt auf dem Weg zur gesellschaftlich notwendigen Lernkompetenz. Unter Portfolio versteht man dabei die strukturierte Sammlung von Dokumenten unterschiedlicher Art und von persönlichen Arbeiten, die Lernwege und Lernerfolge belegen. Das Portfolio wird von den Lernenden selbst zusammengestellt, ergänzt und aktualisiert.

Es geht nicht darum, mit dem Portfolio Zeugnisse zu verändern oder gar zu ersetzen. Schulnoten bewerten pauschal die Gesamtleistungen in einem Fach. Ein Portfolio dokumentiert die Lernanstrengungen und Leistungen auf einem konkreten Gebiet, belegt individuellen Zugewinn an Kompetenz.

Ein Portfolio soll die Lernenden in die Lage versetzen, die eigenen Lernprozesse zu verfolgen, sich über eigene Lernfortschritte bewusst zu werden, sie selbst zu dokumentieren, möglichst eigene Perspektiven zu entwickeln. Damit ist auch ein Perspektivenwechsel verbunden: Die Lernenden sollen sich selbst im Umgang mit ihrem Portfolio Ziele setzen, das Erreichen der Ziele überprüfen, über Lernwege reflektieren, also mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen.

Dies werden die Schülerinnen und Schüler lernen müssen, sie brauchen hierbei die Unterstützung und Beratung Ihrer Lehrkräfte. Das wird Zeit und Arbeit kosten. Aber der Einsatz lohnt sich, denn hier geht es um eine zentrale Zielsetzung von Schule, um Vermittlung von Lernkompetenz.

Das Portfolio Medienkompetenz wurde jedoch nicht nur einzelnen Schülerinnen und Schülern ausgehändigt, sondern allen Schülerinnen und Schülern des 7. Jahrgangs an den niedersächsischen Schulen mit Medienprofil. Damit muss das Portfolio in regelmäßigem Abstand zum Gegenstand des Unterrichts werden. Die Schule erhält mit dem Portfolio ein Instrument zur Reflexion der Lehrenden und Lernenden über Lernprozesse und über die Entwicklung des Schulprogramms.

Das Portfolio könnte damit auch zu einem Werkzeug der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung werden: Die Lehrkräfte müssen sich gemeinsam überlegen, in welchen Bereichen Lernleistungen der Jugendlichen noch verbessert werden können und wie die Lernangebote sinnvoll über Fächer und Jahrgänge hinweg aufeinander abgestimmt werden.

Das Portfolio kann dazu benutzt werden, um andere über die Lernprozesse und ihre Ergebnisse zu informieren. Im Portfolio dokumentieren sich für alle an Schule Beteiligten - für die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und die Eltern - Aktivitäten und Angebote im Bereich der Medienbildung. Ein Portfolio trägt damit auch zur Transparenz bei und zur Außendarstellung der Schule.

Wichtig ist, dass das vorliegende Portfolio offen ist für außerschulische Lernerfahrungen der Jugendlichen. Jugendliche können dokumentieren, was sie in Vereinen und Jugendgruppen, bei der Mitarbeit im Bürgerradio oder in anderen Projekten gelernt haben. Unter dem Aspekt des "Lernen lernens" und des "Lebenslangen Lernens" ist es eine wichtige Aufgabe von Schule, den Jugendlichen Wege zu außerschulischen Lernangeboten zu eröffnen, sie zu ermutigen und zu unterstützen, solche Angebote für sich wahrzunehmen.

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